TV-Tipp: Das Microsoft-Dilemma Europa als Software-Kolonie

allgemeines Geplapper und Bla-Fasel
ingo
User
Beiträge: 538
Registriert: 01.06.2012, 11:27

Re: TV-Tipp: Das Microsoft-Dilemma Europa als Software-Kolonie

Beitrag von ingo » 25.03.2018, 18:05

PokeMon hat geschrieben:
25.03.2018, 14:58
Man kann einen Markt nicht über staatliche Kontrolle wirksam lenken. Außer man geht so weit, wie z.B. China. Das wünsche ich uns aber nun wirklich nicht. Wie auch bei Zeitreisen lassen sich die Folgen von Eingriffen nur äußerst schwer abschätzen. Deshalb ist es so gefährlich. Zügelt man den einen Drachen, wird der andere plötzlich größer. Am Besten man lässt die Drachen sich gegenseitig in Schach halten.
Ja ja, der Markt wird's schon regeln - der Neoliberalismus läßt grüßen. Der Markt hat auch die Weltwirtschaftskrise "geregelt", die Millionen Menschen ins Unglück gestürzt und einen barbarischen Weltkrieg mitverursacht hat. Der Markt regelt auch den Umgang des Kapitals mit der Umwelt. In Branchen mit wenigen großen Globalplayern gibt es aber keinen Markt mehr, der etwas "regeln" kann. Und die "Drachen" kümmern sich im Extremfall wenig darum, wen sie bei ihrem "Schachspiel" verbrennen - als Kollateralschaden.
Ich denke, daß Deutschland in der Welt so gut dasteht, ein derart stabiles Sozialsystem besitzt und die Krisen der letzten Jahrzehnte vergleichsweise gut überstanden hat, hängt auch damit zusammen, daß wir nicht zu wenig Staat besitzen. Ich jedenfalls wünsche mir durchaus weiterhin (mehr) wirksame Kontrollmechanismen. ... ist natürlich nur meine bescheidene Meinung und soll die Meinung anderer weder abwerten noch diskreditieren.

Gruß Ingo.
Man darf die Menschen nicht mit ihren Engsten alleinlassen. (Zitat: Peter Glaser)
Solange es keine Künstliche Dummheit mit ihren jeder Vernunft unzugänglichen taktischen Vorteilen gibt, mache ich mir wegen KI keine Sorgen. (auch Peter Glaser)

Benutzeravatar
msch
User
Beiträge: 3785
Registriert: 05.02.2013, 15:42
Wohnort: Hessen, Rhein-Main-Gebiet

Re: TV-Tipp: Das Microsoft-Dilemma Europa als Software-Kolonie

Beitrag von msch » 25.03.2018, 18:22

Was die (Finanz- und Wirtschafts-) Krisen gezeigt haben, ist vor allem eines: der Markt regelt gar nichts und erst recht nicht im Sinne der Menschen.
Das ist auch der Grund, warum der Staat bei groben Fehlentwicklungen m. A. n. regulierend eingreifen *** muss ***.
Und zum anderen findet bei (Quasi-)Monopolen schon gar keine Selbstegulierung statt. Das mag in Märkten einigermaßen funktionieren, wo es ein Marktgleichgewicht (mehrere Anbieter mit ähnlichen Produkten) gibt - solche „vollkommenden Märkte“ existieren leider nur in der Theorie.
manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern.
werch ein illtum! (lichtung, Ernst Jandl)

Benutzeravatar
PokeMon
User
Beiträge: 4706
Registriert: 31.08.2011, 23:41

Re: TV-Tipp: Das Microsoft-Dilemma Europa als Software-Kolonie

Beitrag von PokeMon » 27.03.2018, 21:00

Ganz ehrlich, ich habe keine Angst vor Grosskonzernen. Die haben im Zweifel nur rein wirtschaftliche Interessen - damit kann ich sehr gut leben. Und ich kann ja auch selbst entscheiden, Microsoft nicht einzusetzen. Warum in aller Welt, soll ich den deutschen Staat entscheiden lassen, was ich wie einsetzen soll oder darf ???

Viel mehr Angst macht mir das neue PAG (Polizei Aufgaben Gesetz) in Bayern, welches der Vorreiter für ganz Deutschland werden soll. Im Zweifel darf man dann Bürger überwachen, bereits im leisesten Anfangsverdacht oder rein präventiv beliebig lange festsetzen (inhaftieren) solange man nur einen Richter findet, der mitspielt. Und den findet man ganz sicher irgendwo.

https://netzpolitik.org/2018/ab-sommer- ... seit-1945/

Da sage ich nur, viel Spass für alle, die sich mehr staatliche Kontrolle wünschen. :P
Dass der Wunsch nach staatliche Kontrolle des Öfteren ausgerechnet von Leuten geäußert wird, die Jahrzehntelang unter staatlicher Kontrolle und Überwachung vor 1989 leiden mussten, verwundert mich schon. Da werde ich doch im Zweifel lieber von Google und Microsoft abgehört als von Staatstrojanern der BRD. :wink:
Wer seinen Computer ehrt, lebt nicht verkehrt.

ingo
User
Beiträge: 538
Registriert: 01.06.2012, 11:27

Re: TV-Tipp: Das Microsoft-Dilemma Europa als Software-Kolonie

Beitrag von ingo » 27.03.2018, 21:29

PokeMon hat geschrieben:
27.03.2018, 21:00
Da sage ich nur, viel Spass für alle, die sich mehr staatliche Kontrolle wünschen. :P
Dass der Wunsch nach staatliche Kontrolle des Öfteren ausgerechnet von Leuten geäußert wird, die Jahrzehntelang unter staatlicher Kontrolle und Überwachung vor 1989 leiden mussten, verwundert mich schon. Da werde ich doch im Zweifel lieber von Google und Microsoft abgehört als von Staatstrojanern der BRD. :wink:
Das ist das Ergebnis eines Vergleiches von Äpfeln mit Birnen. Die Kontrolle ökonomischer Macht hat mit der präventiven Überwachung der Kommunikation beliebiger Bürger nichts, aber auch garnichts zu tun.
Was läßt Dich glauben, daß alle, die vor 1989 eine andere Staatsform erlebten, darunter gelitten haben (auch wenn Sie wie ich und viele andere nicht mit den staatlichen Organen verbandelt waren)? :?
PokeMon hat geschrieben:
27.03.2018, 21:00
Da werde ich doch im Zweifel lieber von Google und Microsoft abgehört als von Staatstrojanern der BRD.
Ich nicht...

Gruß Ingo.
Man darf die Menschen nicht mit ihren Engsten alleinlassen. (Zitat: Peter Glaser)
Solange es keine Künstliche Dummheit mit ihren jeder Vernunft unzugänglichen taktischen Vorteilen gibt, mache ich mir wegen KI keine Sorgen. (auch Peter Glaser)

Kai
User
Beiträge: 421
Registriert: 19.04.2005, 20:46

Re: TV-Tipp: Das Microsoft-Dilemma Europa als Software-Kolonie

Beitrag von Kai » 27.03.2018, 22:04

Ich störe mich auch am "Europa als Software-Kolonie". Der Scheißdreck wird doch auf der ganzen Welt eingesetzt.
Im beruflichen kann ich leider nicht selbst entscheiden, was ich einsetzen will. Selbst mein Chef nicht und selbst wenn der wollte. Da gibts feste Vorgaben vom Auftraggeber. Und von den anderen 5% Auftragsvolumen, das auf private AG fällt, möchte ich nicht leben müssen.

Benutzeravatar
PokeMon
User
Beiträge: 4706
Registriert: 31.08.2011, 23:41

Re: TV-Tipp: Das Microsoft-Dilemma Europa als Software-Kolonie

Beitrag von PokeMon » 28.03.2018, 23:16

ingo hat geschrieben:
27.03.2018, 21:29
Das ist das Ergebnis eines Vergleiches von Äpfeln mit Birnen. Die Kontrolle ökonomischer Macht hat mit der präventiven Überwachung der Kommunikation beliebiger Bürger nichts, aber auch garnichts zu tun.
Das scheint nur so bei oberflächlicher Betrachtung. Man muss aufpassen, dass kein Paradigma der staatlichen Kontrolle entsteht oder sich verschärft. Im ersten Moment hat eine Verschärfung der Kontrolle der Bürger durch den Staat nicht direkt was mit der Kontrolle von Unternehmen mit ökonomischen Zielen zu tun. Generell tut sich die Politik leichter, solche Massnahmen in einem Klima gewünschter Kontrolle umzusetzen. Wenn die Bürger schon mehr Kontrolle wünschen bei Facebook & Co. sind sie auch eher bereit Kontrolle in anderen Bereichen zu erdulden. Das kann man nicht trennen. Jede staatliche Kontrolle gleich in welchem Bereich bedeutet immer einen Verlust von Freiheit.

Was das geplante PAG Gesetz betrifft, so bewegen wir uns hier in eine Richtung, die wir an der Türkei vehement kritisieren. Wohlgemerkt sind wir hier noch nicht so weit, schlagen aber aus meiner Sicht eine falsche (eher demokratiefeindliche) Richtung ein. Die etwas provokative Formulierung "seit 1945" soll andeuten, welche Gefahren in der Umsetzung lauern und soll wachrütteln. Wenn wir keine Terroranschläge hätten, wäre es viel schwieriger sowas umzusetzen. So maskiert der Staat die Kontrolle mit "mehr Sicherheit". Wobei Terrorismus einfach zu Risiken des Lebens gehört. So wie Herzinfarkte, Schlaganfälle, Verkehrsunfälle usw.

ingo hat geschrieben:
27.03.2018, 21:29
Was läßt Dich glauben, daß alle, die vor 1989 eine andere Staatsform erlebten, darunter gelitten haben (auch wenn Sie wie ich und viele andere nicht mit den staatlichen Organen verbandelt waren)? :?
Ich denke mal ein großer Teil von insbesondere jungen Menschen haben sehr wohl darunter gelitten. Sonst wäre wohl kaum ein Klima der Revolution entstanden, die in vielen Montags-Demonstrationen schließlich in der Kapitulation des Staatsapparates der DDR mündete und ein Ende der Kontrolle und Unterdrückung durch den Staat zur Folge hatte. Noch heute wühlen viele Menschen in Stasi Unterlagen und sind ganz erstaunt, was über sie zu finden ist und zum Teil über ihre Nachbarn und "Freunde".
Wer seinen Computer ehrt, lebt nicht verkehrt.

Kai
User
Beiträge: 421
Registriert: 19.04.2005, 20:46

Re: TV-Tipp: Das Microsoft-Dilemma Europa als Software-Kolonie

Beitrag von Kai » 29.03.2018, 20:01

So vehement kritisieren "wir" die Türkei doch gar nicht. Da wird ein wenig der Zeigefinger gehoben, aber mehr auch nicht. Kein Wort über die EU Beitrittsverhandlungen, kein Wort über Sanktionen. Es gäbe genug Druckmittel. Aber die Türkei ist für die deutsche Schwerindustrie anscheinend ein zu wichtiger Partner. Zum kotzen. Läuft mit China ja nicht anders. Erst das Fressen, dann die Moral.
Jede staatliche Kontrolle gleich in welchem Bereich bedeutet immer einen Verlust von Freiheit.
Ich schaue neuerdings erschreckt in Richtung Frankreich. Was da in Sachen "Überwachung zur Terrorabwehr" grad läuft, macht wirklich Angst. Wir sind schon (fast) wieder soweit, dass wir uns jedes öffentlich geäußerte Wort zweimal überlegen müssen und dann logischerweise viele Menschen lieber die Schnauze halten als aufzufallen.
Wobei Terrorismus einfach zu Risiken des Lebens gehört. So wie Herzinfarkte, Schlaganfälle, Verkehrsunfälle usw.
Es klingt zwar hart, ist aber so. Wenn innerhalb weniger Wochen 100-200 Menschen am Grippevirus sterben, wird kein großes Aufheben gemacht. Vergleicht man das mit den Forderungen zur Terrorabwehr, dann müßten eigentlich Impfverweigerer in Beugehaft genommen werden.

Das mit der DDR ist ein Kapitel für sich und die damaligen Umstände lassen sich nicht so einfach auf heute übertragen. Die gesamte Infrastruktur verschlissen, über Jahrzehnte vom Westfernsehen über die bessere Welt unterhalten, zunehmende Freiheitsbeschränkungen. Ansonsten waren wir mit dem täglichen Leben gut arrangiert, wirklich schlecht ging es nur den laut Andersdenkenden. Dann kam seit 1986 der bröckelnde Rückhalt vom "großen Bruder" Sowjetunion, mit Glasnost und Perestroika konnten unsere Genossen absolut nichts anfangen. War doch alles gut hier nach Ansicht "der da oben". Endgültig hat es den Docht aus der Lampe gezogen, als Ungarn die Grenzanlagen abbaute und wir in der Konsequenz dann nichtmal mehr frei nach Tschechien fahren durften.

Heute? Nach Ansicht "der da oben" ist auch alles gut. Andersdenkende werden jetzt einfach als Nazis diffamiert und kalt gestellt. Westfernsehen haben wir auch wieder, in Form der zunehmend gern gelesenen Presse in der Schweiz und Österreich. Aber sonst geht es uns doch noch viel zu gut...

Antworten