Sammler-Allüren? Oder Sammler-Professionalität?

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dhucke
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Sammler-Allüren? Oder Sammler-Professionalität?

Beitrag von dhucke » 13.04.2019, 08:33

Hallo Leute,

in Facebook gibts gerade einen Fall, den ich interessant finde. Es geht konkret um einen Sinclair Spectrum mit Printer Verkauf, könnte aber ebensogut ein Zeddy oder Jupiter Ace sein, deshalb setz ich es hier hinein.

Ein Anbieter verkauft einen Spectrum+, einen Spectrum mit Gummitasten, einen Klopapierrollendrucker, mehrere Programmkassetten. Alles zusammen für 50 Pfund, soweit alles ok.

(Bis auf den Satz "Die Geräte funktioniereren. Ich habe sie nicht getestet, aber ich glaube es" :
"apparently they work and have PSU's etc, (Im not sure personally but there ya go) ")

Alles auf dem Foto ist eingestaubt, und zwar richtig eingestaubt.
speccy-zeug.png
speccy-zeug.png (327.77 KiB) 831 mal betrachtet
Der Anbieter schreibt sinngemäss, er habe den Zustand der Geräte so gelassen, da ja Sammler genau das Original kaufen wollen.
"but people do so I’d like to have saved them as the person that sells them in that state would also bin them "

Jetzt kommt meine Frage: (Aus Sicht eines Sammlers, nicht jemand der die Geräte einschaltet und nutzt), wie seht ihr das?
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Jens
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Re: Sammler-Allüren? Oder Sammler-Professionalität?

Beitrag von Jens » 13.04.2019, 10:38

Eine gute Frage!

Wenn ich Geld hätte und Sammler wäre, der sich Sachen als Wertanlage kauft oder in die Vitrine stellt, um damit den Besitz von fünf Luxusautos zu unterstreichen, wäre es mir egal, ob der Apple 1 wirklich funzt oder nicht.

Aber als ZX-User möchte ich sicher auch ein Schätzchen (zB den Juppi) haben, aber der soll auf funktionieren, denn ohne Software kein Leben in der Hardware 8)

Und mein Apple-1-Nachbau reicht mir völlig!!

Gruß
Jens
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Paul
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Re: Sammler-Allüren? Oder Sammler-Professionalität?

Beitrag von Paul » 13.04.2019, 16:37

Eher Verkäufer Allüren.
Ob er behauptet sie gehen oder nicht ist egal. U getestet ist gleichbedeutend mit defekt, zumindest was meine Gebotshöhe angeht.
Liebe Grüße Paul
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Re: Sammler-Allüren? Oder Sammler-Professionalität?

Beitrag von dhucke » 13.04.2019, 18:41

danke für eure Antworten. Ich hatte allerdings was anderes gemeint, vielleicht nicht gut ausgedrückt:

er lässt alles staubig weil ein Sammler diese Geräte genau so kaufen wollen würde.
Anderes ausgedrückt: wenn er sie reinigt, sind sie nicht mehr original wie auf dem Dachboden gefunden ....

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eingestaubte Grüße von Dieter :-)
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Re: Sammler-Allüren? Oder Sammler-Professionalität?

Beitrag von sbetamax » 13.04.2019, 18:55

Hi,
also ich bin jetzt nicht unbedingt der Sammler von antikem Staub. Wenn ich Geräte kaufe, dann sollen die bei mir auch funktionieren. Also werden sie erst mal gesäubert, geprüft und wenn möglich wider zum laufen gbracht.
Bei solch ungeprüften Sachen ist meine Biete schwelle arg niedrig. Wenn der Kram auch noch total verstaubt ist, dann war er wohl auch mies verpackt auf dem Dachboden, was mich nicht sonderlich motiviert da mit zu machen.
Der Staub macht die in keinster weise irgend wie rahrer finde ich.

Ich hatte auch schon Sachen die nach dem, angeblichen, Funktionierenden weg stellen im Schrank gelandet sind. Und dann bei mir angekommen, haben im Inneren Teile gefehlt. Was so ein Schrank in 10 Jahren alles so aus einem Gerät saugt....
Gruß Stephan
_______________
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Re: Sammler-Allüren? Oder Sammler-Professionalität?

Beitrag von Paul » 13.04.2019, 23:41

Meines Erachtens verwechselt der Verkäufer Sammler mit Forensikern. Die wollen dann aber auch gleich den ganzen Dachboden dazu haben um die ursprüngliche Fundstelle zu begutachten. Der Verkäufer ist einfach nur dreist und faul.
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Re: Sammler-Allüren? Oder Sammler-Professionalität?

Beitrag von dhucke » 14.04.2019, 23:23

Paul hat geschrieben:
13.04.2019, 23:41
Meines Erachtens verwechselt der Verkäufer Sammler mit Forensikern. Die wollen dann aber auch gleich den ganzen Dachboden dazu haben um die ursprüngliche Fundstelle zu begutachten. Der Verkäufer ist einfach nur dreist und faul.
Paul, du hast wahrscheinlich recht :-( Denn jetzt steht da folgendes von einem interessierten Käufer:

" I sent a message to this guy as I was not too far. He said it's a conversion kit so the 48k is empty with the board in the plus case. Def not worth 50 Pound"

Kurz zusammengefasst hat der Verkäufer eingeräumt, daß das ein UpgradeKit ist, und das 48K Gehäuse leer ist....

Ich bin manchmal sprachlos über die Ehre von manchen Verkäufern....
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Re: Sammler-Allüren? Oder Sammler-Professionalität?

Beitrag von ingo » 15.04.2019, 13:39

Hallo Dieter,

als jemand, der selbst fachgerecht reparieren kann und der alle Dinge die er besitzt, funtionsfähig haben möchte, versuche ich Käufe von Geräten, die "vom Verkäufer aufgearbeitet", "recapped" (was für ein gräßlicher Ausdruck) oder ähnlich vorbehandelt wurden, zu vermeiden. Meiner (überheblichen) Meinung nach können die meisten Leute, die sich eine Reparatur zutrauen weder fachgerecht löten, noch die Begrenztheit ihrer Fähigkeiten überblicken. Und ich hasse es, Platinen zu reparieren, auf denen sich Leiterzüge ablösen, weil einer der Vorbesitzer zu heiß, zu lange oder mit zuviel seitlichem Druck "gelötet" hat. Ich hasse schief sitzende Bauteile und stümperhaft zusammengeschusterte Geräte. Ich hasse es, wenn selbstschneidende Schauben, wie sie u.a. im Spectrum verwendet werden, einfach so eingeschraubt werden, um Gehäuseteile zusammenzuschrauben. Das bedeutet für den nächsten, der aufschraubt, daß die Schrauben immer weniger halten. Richtig gemacht, dreht man die Schraube vorsichtig rückwärts und wartet bis sie dabei am tiefsten einrastet, dann wieder vorwärts und man ist sicher, daß sie in die vorhandenen Rillen geschraubt wird, statt sich neue zu schneiden. Aber selbst erfahrene Kollegen bei mir auf Arbeit machen das nicht - ein Grund dafür, daß ich Geräte in meinem Verantwortungsbereich ausschließlich selbst öffne, schließe und repariere.

Ansonsten sammle ich u.a. alte Radios und obwohl ich eigentlich alle Geräte, die ich besitze, funktionsfähig haben will, überlege ich inzwischen bei unberührten (noch nie reparierten) Geräten, ob ich sie im Originalzustand belasse, eben als reines Sammelobjekt. In einem solchen Fall verbietet sich auch jeder Versuch der Inbetriebnahme, denn dabei könnte ein Bauteil abrauchen und weitere Schäden nachsichziehen.

Übrigens: Der (Verkaufs-)wert unbenutzter oder sehr gut erhaltener Gehäuse für ZX Spectrum oder ZX Sepctrum+ liegt inzwischen (in Zeiten zunehmender Clonebasteleien wie Harlequin...) nur noch unwesentlich unter dem kompletter (ungetesteter) Spectrums mit Platine. Ich habe verschiedentlich bei Ebay versucht, solche Gehäuse zu ersteigern und angesichts hoher Konkurrenzgebote aufgegeben. Inzwischen bin ich aber diesbezüglich versorgt.

Gruß Ingo.
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Solange es keine Künstliche Dummheit mit ihren jeder Vernunft unzugänglichen taktischen Vorteilen gibt, mache ich mir wegen KI keine Sorgen. (auch Peter Glaser)

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Re: Sammler-Allüren? Oder Sammler-Professionalität?

Beitrag von klf » 09.05.2019, 09:41

ingo hat geschrieben:
15.04.2019, 13:39
als jemand, der selbst fachgerecht reparieren kann und der alle Dinge die er besitzt, funtionsfähig haben möchte, versuche ich Käufe von Geräten, die "vom Verkäufer aufgearbeitet", "recapped" (was für ein gräßlicher Ausdruck) oder ähnlich vorbehandelt wurden, zu vermeiden.
Exakt so ist es. Den Dreck des Vorbesitzers selber abwaschen zu müssen ist da definitiv das kleinere Übel.

Die Steigerung des Übels ist "RetroBrite". Da geht man an vergilbte Gehäuse mit einer Peroxidmischung dran um die Vergilbung durch oxidierende Flammhemmer (Bromide) aufzulösen. Die Geräte sehen danach wie neu aus, aber der Gilb kommt relativ schnell wieder. Und zusätzlich wird noch der Kunststoff spröde. Schwarze Zeddys sind da nicht so sehr betroffen, aber als Apple-Sammler muss man mittlerweile echt aufpassen.

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Re: Sammler-Allüren? Oder Sammler-Professionalität?

Beitrag von msch » 09.05.2019, 11:35

Deine Erfahrungen mit RetroBrite kann ich bestätigen. Ich habe vor einigen Jahren (im Juni 2013) meinen ZX80 einer solchen Behandlung unterziehen lassen (von Jungs, die davon etwas verstehen). Das Ergebnis war damals 1a (insbesondere wurde das aufgedruckte ZX80-Logo perfekt erhalten und wurde nicht durch die Emulsion in Mitleidenschaft gezogen):
zx80vorher.jpg
Vorher
zx80vorher.jpg (41.81 KiB) 459 mal betrachtet
zx80nachher.jpg
Nachher
zx80nachher.jpg (43.82 KiB) 459 mal betrachtet
Heute (also knapp 6 Jahre später) sieht das ganze so aus (hier im Vergleich mit dem gut gehüteten schneeweißen Gehäuse meines ZX80 Bausatzes):
retrobright-zx80.JPG
Heute
retrobright-zx80.JPG (85.43 KiB) 459 mal betrachtet
Der ZX80 war öfter im Einsatz, wird aber zwischen den Einsätzen in einem abgedunkelten Raum aufbewahrt. Viel hat das aber nicht gebracht.
Man kann also über den Sinn und Zweck von RetroBrite sicherlich diskutieren. Vermutlich muss man einen behandelten Rechner wirklich lichtdicht aufbewahren, wenn das länger halten soll.
manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern.
werch ein illtum! (lichtung, Ernst Jandl)

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Re: Sammler-Allüren? Oder Sammler-Professionalität?

Beitrag von tofro » 09.05.2019, 13:40

Es gibt Vermutungen, dass das Vergilben nix oder nur wenig mit tatsächlicher Sonneneinstrahlung, sondern eher Wärme, möglicherweise in Verbindung mit UV zu tun hat. Also ab in den Kühlschrank mit den Computern, und vorher im Kühlschrank das Birnchen rausdrehen...

Tobias
(Der froh ist, das seine Lieblingscomputer alle schwarze Gehäuse haben...)
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Re: Sammler-Allüren? Oder Sammler-Professionalität?

Beitrag von siggi » 09.05.2019, 14:40

tofro hat geschrieben:
09.05.2019, 13:40
Also ab in den Kühlschrank mit den Computern, und vorher im Kühlschrank das Birnchen rausdrehen...
Ja aber dann sieht die Web-Cam im smarten Cool-Schrank ja nicht mehr, ob er leer ist bzw. was fehlt und was er dann in Amazonien nachbestellen muß.
Nee Nee, das Licht muss an bleiben!
Mein ZX81-Web-Server: online seit 2007
http://zx81-siggi.endoftheinternet.org/index.html

Datenkraken bitte nicht füttern!

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Re: Sammler-Allüren? Oder Sammler-Professionalität?

Beitrag von tokabln » 10.05.2019, 13:58

Also das behandeln von Computern halte ich für nicht zielführend. Mag ja sein das die dann erstmal wieder gut aussehen, aber ich habe bis jetzt noch nichts gefunden was die Auswirkungen auf das Material eindeutig beschreibt. Darüber hinaus reden wir hier nicht von neuen sondern von alten Rechnern. Warum sollen letztere so aussehen wie neu... das gilt auch bei uns Menschen nicht ausser man lässt an sich rumschnippeln. Alt ist alt und hat für mich die Bedeutung, das es sich hier um etwas aus der Vorzeit handelt. Es wird auch keine Restauratoren geben, die gefundene Artefakte auf Neu trimmen und das ist gut so.
Lieben Gruß Torsten
BFZ MFA, ZX80Core, AX81, ZX81, ZX81NU, Spectrum+, Harlequin, VG8010, Amstrad NC100, Cambridge Z88, C64, C128D, Amiga 500 & 1200, Atari Portfolio, HP200LX, IBM PC5155, TP755c, T41, PS/2 (Model 40SX), PS/2E, Accura 101, Apple //e

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Re: Sammler-Allüren? Oder Sammler-Professionalität?

Beitrag von msch » 10.05.2019, 16:50

Ich sehe das ähnlich und würde auch vorauss. keinen weiterem meiner Rechner einer solchen Behandlung unterziehen obwohl ich sich den einen oder anderen Kandidaten dafür hätte, weil diese wirlich übel vergilbt sind. Das war damals eher eine Gelegenheit, weil ich Leute kennengelernt habe, die das oft und wirklich sehr gut machen. Da das ganze aber nicht dazu geeignet ist, den damaligen zeitgemäßen Zustand auf Dauer verfügbar zu machen, macht das für mich letztlich keinen Sinn.
manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern.
werch ein illtum! (lichtung, Ernst Jandl)

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